Home    Epochen   Künstler  Nationen  Themen   Literatur   Links   Disclaimer 
 

Kleopatra

Kleopatra hat die Künstler bereits seit der Renaissance beschäftigt. Sie war einerseits eine große Königin, deren Reizen mit Cäsar und Antonius zwei der mächtigsten römischen Heerführer erlagen. Andererseits war da noch ihr tragischer Selbstmord, mit dem sie den Sieger zumindest um einen Teil seines Triumphes brachte. Allerdings sind sich die antiken Autoren einig darin, dass sich Kleopatra von einer Schlange in die Hand beißen ließ. Der Biss in die Brust war erst eine Erfindung Shakespeares, die dann aber von der bildenden Kunst begierig aufgegriffen wurde.

Die zahlreichen über einen längeren Zeitraum entstandenen Kleopatra-Gemälde bieten sich an, mit ihrer Hilfe zu verdeutlichen, was an der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts wirklich neu war, was sie an diesem Thema reizte und wie sie sich dem historisch Fremden annäherte.


Guido Reni: Tod der Kleopatra (ca.1640)
Guido Reni zeigt Kleopatra in der Pose einer reuigen Sünderin. Zum Vergleich zeigen wir daneben sein Bild „Maria Magdalena“ (1635). Es ist die gleiche Pose, der gleiche Blick. Den Unterschied macht – von der obligatorischen Schlange abgesehen - lediglich der Lichteinfall, der für Maria Magdalena göttliche Gnade verheißt. Ansonsten handelt es sich bei beiden Frauen in Aussehen und Dekor um Italienerinnen des 17. Jahrhunderts; das „Historische“ spielt absolut keine Rolle.


Guido Cagnacci: Tod der Kleopatra (1658)
Guido Cagnacci zeigt einen sanft entschlafenen, weitgehend nackten Teenager, obwohl Kleopatra zum Zeitpunkt ihres Todes fast 40 Jahre alt war. Wie viele Madonnen der Zeit sind sowohl Kleopatra wie auch ihre Dienerinnen dunkelblond, was zeigt, dass das „Fremde“ für den Künstler ohne Bedeutung war. Für ihn schien es eher eine Gelegenheit viel Haut zu zeigen, was ja bei Heiligenbildern schlecht möglich war.


Gerard Lairesse: Das Festmahl der Kleopatra (ca. 1680), Giovanni Battista Tiepolo: Das Bankett der Kleopatra (ca. 1744)

Lairesse und Tiepolo zeigen Kleopatra als typisch barocke Herrscherin, die in ihrem Palast einem fremden Feldherrn empfängt. Wichtig ist die Architektur, die absolut nichts mit einer fremden Kultur oder Epoche zu tun hat. Bei Lairesse beschränkt sich das „Exotische“ auf Kleopatras nackte Brüste, die allerdings mehr den Vorstellungen seiner Zeit entnommen sind als der historischen Realität, und die Kleidung von Antonius.
Tiepolo geht dann noch einen Schritt weiter, indem die Personen fast vollständig nach der aktuellen Mode gekleidet sind.
Bei diesen Anpassungen des Historischen an die Gegenwart handelt es sich allerdings weniger um ein Unvermögen der Künstler. Man muss einfach davon ausgehen, dass es sie nicht interessiert hat.


Jean-Baptiste Regnault: Der Tod der Kleopatra (1796/1799)
Gerade verglichen mit Tiepolo scheint sich Regnault mit seinem Bild zwar um etwas mehr historische Genauigkeit zu bemühen. Doch nur auf den ersten Blick. Zum Vergleich haben wir eine Portrait von Joséphine de Beauharnais von Pierre Paul Prud'hon (1805) daneben gestellt. Dadurch wird leicht deutlich, dass auch hier Kleidung, Mobiliar und sogar die Pose dem damals aktuellen Klassizismus entnommen sind.


Jean-Léon Gérôme: Kleopatra und Cäsar (1866)

Die Große Veränderung wird erst deutlich, wenn man das Bild von Gérôme betrachtet. Hier sieht man eine junge Frau, die ihren prächtigen Körper dem Voyeur – neben Cäsar natürlich auch dem Betrachter - präsentiert. Das Exotische ihrer Kleidung wird dabei noch durch schwarzen, nubischen Sklaven unterstrichen. Bei Cäsar, der fast im Schatten verschwindet, handelt es sich um einen bereits älteren Mann mit Halbglatze.
Man darf zwar bezweifeln, dass Gérôme damit die historische Realität viel besser trifft als seine Vorgänger. Dennoch ist unübersehbar, dass mit Gérômes Bild das Exotische des Historischen ins Zentrum des Interesses gerückt ist.


Jean André Rixens: Tod der Kleopatra (1874)
Noch deutlicher wird dieser Vorgang mit dem Gemälde von Jean André Rixens. Hier wird der prächtige nackte Körper einer Frau präsentiert. Durch den Orientalismus war das Exotische groß in Mode gekommen. Kleopatra erscheint als Odaliske, als weiße Harems-Sklavin.
Das historisch Fremde, das im 18. Jahrhundert noch weitgehend ignoriert worden war, wird dabei zum notwendigen exotischen Accessoire.


Hans Makart: Der Tod der Kleopatra (1875) und Die Niljagd der Kleopatra (1876)

Makarts Bilder wirken fast wie ein Rückgriff aufs Barock, wo er auch seine großen Vorbilder hatte. Im Dekor bemüht er sich zwar der Zeit entsprechend um etwas mehr historische Genauigkeit, aber sonst überwiegen ganz die großen Gesten oder einfach das Spektakel.


Frank Bernard Dicksee: Kleopatra (1876), Lawrence Alma-Tadema: Antonius und Kleopatra (1883)

Dicksee und Alma-Tadema zeigen Kleopatra als schöne, selbstbewusste Herrscherin. Sicher etwas lasziv, aber auf die bislang geradezu obligatorische Nacktheit wird verzichtet. Im Dekor verzichten zudem beide auf das Orientalisch-Exotische zu Gunsten einer sicher historisch korrekteren hellenistischen Ausstattung.


Alexandre Cabanel: Kleopatra lässt Gift an zum Tode Verurteilten erproben (1887)

Bei Cabanel dominiert nun wieder das Spektakel. Die schöne aber grausam, kalte Kleopatra studiert nun ungerührt die Wirkung von Gift an zum Tode Verurteilten. Der Maler legt außerdem größten Wert auf die exotische Kleidung und die ägyptische Architektur im Hintergrund, die ihm wahrscheinlich durch Gemälde von David Roberts bekannt war.


Frederick Arthur Bridgman (1847-1928): Kleopatra auf den Terrassen von Philae (1896)

Bei Bridgman spielt die Architektur eine ähnlich wichtige Rolle. Dazu kommen nun Licht und Landschaft. Bridgman war selbst in Ägypten gewesen und hat seine Eindrücke in einer ganzen Reihe von Bildern – nur teilweise mit historischen Motiven – verarbeitet. Kleopatra ist hier nicht mehr wichtig. Sie ist lediglich ein Vorwand, eine schöne Frau vor der ägyptischen Kulisse zu präsentieren.


Man kann also festhalten, dass die exotisch-orientalische Dekoration im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewinnt und letzten Endes zum Hauptzweck wird.


Gyula Benczúr: Tod der Kleopatra 1911

Schon vor diesem Hintergrund ist das Bild von Gyula Benczúr beeindruckend. Er kehrt nicht nur zur alten (barocken) Grundpose zurück, sondern zeigt als einziger auch eine ältere leidende Frau.


Der Film

Es waren aber vor allem die oppulenten Orientbilder eines Bridgman, Rixens oder Cabanel, die letzten Endes die stärkste Auswirkung hatten. Von ihnen ließ sich Anfang des 20. Jahrhunderts die neue Filmindustrie zu den notwendigen Ideen und Dekorationen inspirieren.