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Bathsheba

Der Name Bathsheba (im Deutschen auch Bathseba oder Batseba) sagt heute eigentlich nur noch Spezialisten des Alten Testaments und Kunsthistorikern etwas. Dass die Letzteren auch etwas damit anfangen können liegt daran, dass Bathsheba einst wie Venus oder Aphrodite zum festen Bilderkanon der Malerei gehörte. So gibt es von fast jedem Barockmaler mindestens eine "Bathsheba", manchmal sogar mehrere Versionen.

Wie alle diese Bildmotive, die von der Kunst über Jahrhunderte immer wieder neu bearbeitet werden, lohnt es sich auch hier, diese verschiedenen Interpretationen zu vergleichen. Zuerst möchten wir jedoch kurz, die Geschichte dahinter erzählen.

Bathsheba war die schöne Frau des Hethiters Uriah, der als Söldner im Dienst Königs Davids stand. Eines Tages, während sich Uriah mit den Truppen im Feld befand, beobachtete König David vom Dach seines Palastes Bathsheba beim Bad und entflammte sofort für die Schöne. Er schickte ihr einen Brief und befahl sie zu sich. Bald nachdem Bathsheba zurückgekehrt war, entdeckte sie, dass sie von David schwanger war, und verständigte diesen davon. Um den Ehebruch nun zu vertuschen, ließ David Uriah zum Rapport an den Hof kommen. Dabei hoffte er, Uriah würde seiner Frau schlafen und dadurch das Kind für sein eigenes halten. Uriah hielt sich jedoch an den alten Ehrenkodex der Krieger, der Enthaltsamkeit während eines Feldzuges vorschrieb.

Da das Problem also auf diese Weise nicht zu lösen war, gab David Uriah einen Brief an den Feldherren mit, in dem er befahl, Uriah bei einem Scheinangriff im Stich zu lassen, damit er den Tod finde. Nachdem Uriah wie geplant gefallen war, machte David Bathsheba zu seiner Frau; d.h. zu einer davon. Da Gott jedoch verständlicherweise auf David zornig war, ließ er unverständlicherweise) Bathshebas Kind kurz nach der Geburt sterben.

Bathsheba hatte jedoch zumindest noch einen weiteren Sohn, den späteren König Salomon. Auch scheint sie sich wegen ihrer Schönheit einen bedeutenen Einfluss auf den alternden König gesichert zu haben. Denn schließlich gelang es ihr, David davon zu überzeugen, bei der Thronfolge ihren Sohn Salomon vor dem früher geborenen Adonijah zu bevorzugen.

Obwohl der Bibel dazu nichts zu entnehmen ist, neigen viele Interpreten zu der Meinung, dass Bathsheba nicht zufällig von König David beobachtet wurde. Ihrer Schönheit bewusst, stellte sie ihren Körper zur Schau, um auf diese Weise Einfluss auf den König zu gewinnen. Wenn man nun die Bilder zu diesem Thema betrachtet, merkt man schnell, dass auch die meisten Künstler anscheinend dieser Ansicht waren.

In der Geschichte um David und Bathsheba geht es also um sexuelle Begierde, Voyeurismus, Machtmissbrauch, Ehebruch, Verrat, den Einfluss einer schönen Frau auf einen alten König. Von all diesen möglichen Themen haben sich die Künstler vor allem für eines interessiert: Bathsheba, die beim Bad vom König beobachtet wird. Dabei wird aber nicht Davids Voyeurismus kritisiert, sondern in erster Linie Bathshebas nackter Körper in Szene gesetzt. David ist dabei meistens auf einem fernen Balkon zu erkennen. Der eigentliche Voyeur ist also der Betrachter des Bildes.



Hans Memling: Bathsheba (ca. 1480)

Auf diesem sicher noch spätmittelalterlichen Bild von Hans Memling ist bereits alles zu sehen, was für die Bathsheba-Bilder der folgenden Jahrhunderte typisch sein sollte: eine nackte Frau bei ihrer Toilette. Ihr hoher sozialer Rang wird durch die reiche Ausstattung und die anwesende Dienerin unterstrichen. Im Hintergrund ist König David auf dem Dach seines Palastes zu erkennen.



Lucas Cranach: Bathsheba und David (ca. 1526) und Bathsheba und David (ca. 1534)


Lucas Cranach zeigt nun Bathsheba mit einer ganzen Gruppe von Hofdamen. Allerdings ist Bathsheba bei ihm fast vollständig bekleidet und die Toilette beschränkt sich auf das Waschen der Füße. Dass Cranach kein Problem mit nackten Frauenkörpern hatte, zeigen seine Darstellungen griechischer Göttinnen. Allerdings handelt es sich dabei auch um klassische d.h. "heidnische" Motive. Vielleicht schien es ihm oder seinen Auftraggebern nicht angebracht eine biblische Person nackt zu zeigen; zumindest nicht dort, wo die Bilder aufgehängt werden sollten. Sonst ist alles wie gehabt. König David hat sogar als Erkennungszeichen immer seine Harfe dabei.
Interessant ist sicher, dass alle Personen ganz nach der Moder der Zeit gekleidet sind. Für den Künstler gibt es also weder eine historische noch eine räumliche Distanz zu seiner Geschichte.



Jan Massys: David beobachtet Bathsheba und David und Bathsheba (1562)


Die beiden Bilder von Jan Massys sind hervorragende Beispiele des Manierismus. Der weibliche Körper ist geradezu perfekt in Szene gesetzt. Massys versucht auch durch Mode und Architektur ein wenig "historisch" zu sein. Bei der Architektur handelt es sich aber lediglich um idealisierte Renaissancegebäude, wie er sie auch in Italien zu sehen bekam. Lediglich David ist wohl so gekleidet, wie man sich damals einen Römer vorstellte.



Cornelis Corneliszoon van Haarlem: Bathsheba (1594)

Auch das Bild von Cornelis van Haarlem ist typisch für den Manierismus. Hier präsentieren sich nun gleich drei nackte Frauen. Stand und Reichtum von Bathsheba werden durch eine schwarze Dienerin unterstrichen, was wohl mehr auf die Gegenwart des Künstlers zutraf als auf das alte Israel.



Peter Paul Rubens: Bathsheba (ca. 1635)

Wie sehr schwarze Bedienstete in Mode waren, zeigt auch das Bild von Rubens. Hier überbringt ein schwarzer Diener Bathsheba den Brief von König David, der dennoch gleichzeitig auf seinem Balkon zu sehen ist. Die Geschichte hat sich nun so weit verselbständigt, dass Bathsheba meistens nackt gezeigt wird, auch wenn sie ganz offensichtlich nicht mit ihrer Toilette beschäftigt ist.



Govert Flinck: Bathsheba bittet König David (ca. 1651)

Govert Flinck ist einer der wenigen Künstler, die von diesem eingefahrenen Schema abweichen. Er zeigt wie Bathsheba den inzwischen alten König David um die Thronfolge für ihren Sohn Salomon bittet.



Artemisia Gentileschi: Bathsheba (ca. 1640) und Bathsheba (ca. 1650)



Selbst die Bilder von Artemisia Gentileschi bleiben ganz in den alten Mustern: eine schöne nackte Frau, prächtige Kleider und Utensilien und im Hintergrund David auf dem Balkon.



Willem Drost: Bathsheba (ca. 1654)

Willem Drost zeigt Bathsheba wie sie allein den Brief von König David liest. Man kann sich natürlich fragen, warum sie dabei nackt ist. Doch Drost ging es sicher weniger um eine exakte Darstellung der alten Geschichte, sondern hauptsächlich um Licht und Schatten und deren Wirkung auf nackter Haut.



Rembrandt van Rijn: Bathsheba (1654) und David und Uriah (1665)


Bei Rembrandts Bathsheba verhält es sich ähnlich. Auch sie ist offensichtlich im Innern ihres Hauses und denkt über den Brief Davids nach. Ihre Nacktheit hängt also mehr mit dem Thema zusammen als mit einer konsequenten Darstellung.
Um etwas völlig Ungewöhnliches handelt es sich dagegen bei Rembrandts Bild "David und Uriah". Man sieht hier ausnahmesweise mal, wie der treue Soldat in den Tod geschickt wird. Typisch zumindest für Rembrandt ist, dass auf die historische Distanz dadurch verwiesen wird, indem die Figuren des Alten Testaments in einer Art türkischer Bekleidung präsentiert werden.



Pietro Liberi: Bathsheba

Das Bild von Pietro Liberi bietet eigentlich wenig Neues. Es ist allerdings beachtenswert, dass hier bereits relativ früh in der Präsentation der Figuren auf die kommende Entwicklung des Rokoko verwiesen wird.



Sebastiano Ricci: Bathsheba (1720) und Bathsheba (1724)


Diese Rokoko-Tendenz wird dann bei den Bildern von Sebastiano Ricci überdeutlich. Seine Bathshebas sind Frauen von höchstem Rang die wegen des schönen Wetters ihre Toilette aus dem Boudoir ins Freie verlegt haben.



Julius Schnorr von Carolsfeld: Bathsheba am Brunnen (1820-25)

Schnorr von Carolsfeld wird zwar offiziell zu den Romantikern gerechnet, doch auf diesem Bild wird wohl eher deutlich wie sehr diese anfangs von der Klassik beeinflusst waren. Es bestehen sicher mehr Gemeinsamkeiten mit David als mit den typischen Romantikern.



Karl Pavlovich Briullov: Bathsheba (ca. 1832) und Francesco Hayez: Bathsheba im Bad (1834)


Auf die Bilder von Karl Briullov und Francesco Hayez trifft das Etikett "Romantik" sicher mehr zu. Beide zeigen Bathsehba vor Naturkulisse, setzen wieder verstärkt auf Beleutungseffekte und legen Wert auf historische und exotische Details.



Gustave Moreau: Bathsheba (ca 1885/86) und Bathsheba


Von Gustave Moreau, der zu den Symbolisten zählt, wird diese romantische Linie fortgesetzt, und man erkennt auch hier bereits die ersten Ansätze der abstrakten Malerei. Historisch korrektes Dekor spielen für Moreau längst keine Rolle mehr.



Paul Cezanne: Bathsheba (ca 1885-90) und Bathsheba (ca 1885-90)


Paul Cezanne hat eine ganze Reihe von Bathshebas gemalt. Sie unterscheiden sich eigentlich nur durch die bekleidete Dienerin von seinen üblichen Badeszenen. Dem Künstler geht es also nicht um die ferne Vergangenheit; er passt sie fast vollkommen seinen aktuellen Bildern an. In dem Tempel darf man wahrscheinlich ähnlich wie bei Renoirs "Parisurteil" einen Witz über die allgegenwärtige Antikenmode sehen.



Henri Fantin-Latour: Bathsheba (1903)




Frederick Goodall: Davids Versprechen und James Tissot: David beobachtet Bathsheba (1896-1900)


Diesen banalisierenden Modernisierungstendenzen widersetzt sich der "Akademische Realismus". Die Künstler versuchen Geschichte nun möglichst "realistisch" darzustellen, was durch viele Details und lebensnahere Situationen erreicht werden soll. Frederick Goodall zeigt deshalb ganz ungewöhlich dabei, wie sie David zur Thronfolge ihres Sohnes Salomon überredet. James Tissot stellt bei der üblichen Badeszene König David in den Vordergrund und legt dabei auch großen Wert auf möglichst exotische Architektur und Kleidung.



Jean-Léon Gérôme: Bathsheba (1889)

Den Höhepunkt dieser Bewegung bildet sicher das Gemälde von Jean-Léon Gérôme. Seine Bathsheba und die orientalische Dachlandschaft scheinen perfekt. Vergleicht man sie jedoch mit anderen Werken des Künstlers, erkennt man leicht, dass Gérôme das alte Thema vor allem benutzte um eine seiner üblichen Haremsszenen zu malen. Letzten Endes ist er also genau so subjektiv wie alle anderen auch.


Lovis Corinth: Bathsheba (1908)

Die Konsequenz erkennt man dann bei Lovis Corinth. Er gibt sich wie üblich keinerlei Mühe, historische Realität vorzutäuschen. Da liegt eine Nackte in seinem Atelier, und das nennt er dann "Bathsheba". Es geht hier um ein Spiel mit alten Geschichten und Mythen, die vom Künstler beliebig interpretiert werden.


Gustave-Adolphe Mossa: David und Bathsheba (ca. 1907)

Dass man das uralte Thema jedoch auch aktualisieren kann, zeigt das Bild von Gustave-Adolphe Mossa. David ist hier ganz der alte wohlwollende Sugardaddy, der sich der kleinen Bathsheba annimmt, während im Hintergrund Uriah in den Tod zieht.